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Sommerkonzert 2017: Werke des französischen Impressionismus.

Wie viele bedeutende Kunststile des 19. Jahrhunderts nahm auch der Impressionismus in Frankreich seinen Anfang, wenngleich er auch in anderen Ländern Vorläufer hatte.

In dieser Zeit entwickelte sich Paris zu einer intellektuellen und kulturellen Weltmetropole. 1900 fand die unvergessliche Weltausstellung statt. Die Metro (U-Bahn) wurde eröffnet, es gab das erste rollende Trottoir und dank des neuerfundenen Cinématographen gibt es noch lebendige Dokumente aus der "Belle Epoque". Einige U-Bahnstationen und zahlreiche Gebäude sind noch markante Zeugen dieser Zeit.

Als Musik des Impressionismus bezeichnet man eine Stilrichtung der Musik ungefähr von 1890 bis 1920, deren Hauptvertreter der französische Komponist Claude Debussy war.

Während in der Malerei neu die subjektiv wahrgenommene Farbe zum wesentlichen Gestaltungsmittel wurde war es in der Musik die freie Gestaltung, welche die herkömmlichen Regeln und klassischen Formen ablehnte. Akkorde, die bisher als Dissonanzen galten, werden nicht mehr aufgelöst. Melodische Motive werden nicht mehr wie bisher verarbeitet, sondern wechseln häufig, verschiedene rhythmische Strukturen werden übereinander gelegt und dadurch verschleiert

Verschiedene Klangformen mit besonderer Instrumentierung sollten persönliche Stimmungsbilder ausdrücken. Wie in der Malerei wurden die Komponisten zu ihren Stücken von der Musik und Instrumenten anderer Kulturen inspiriert. Das steht allerdings in unserem Konzert nicht im Vordergrund.

1. Claude Debussy: Leben - Danses - Petite Suite
2. Maurice Ravel: Leben - Shéhérazade - Ma mère l'oye
3. Camille Saint- Saëns: Leben - Morceau de concert

 

Claude Debussy
Claude Debussy wurde am 22. August 1862 in Saint-Germain-en-Laye geboren. Schon bald zogen seine Eltern nach Paris. 1872 wurde er am Pariser Conservatoire aufgenommen und erhielt Unterricht in den Fächern Klavier und Harmonielehre. Nach der Aufgabe der Virtuosenlaufbahn begann Debussy, sich verstärkt der Komposition zu widmen. In den Jahren 1881 bis 1882 war er Hauspianist bei Nadeschda von Meck, der Förderin Tschaikowskys, die er 1881 und 1882 in Moskau besuchte.

Obwohl Debussy ein recht rebellischer Schüler war und die Konventionen des Conservatoire oft bewusst durchbrach, erhielt er 1883 den 2. Rom-Preis. Der Rom-Preis war ein Kompositions-Stipendium des Pariser Conservatoire, das zu einem dreijährigen Aufenthalt in einer römischen Villa berechtigte. Im Jahre 1884 bekam er den 1. Rom-Preis für die Kantate "L´enfant prodigue" und reiste Anfang 1885 nach Rom. Schon 1887 kehrte er aber aus Unzufriedenheit wieder nach Paris zurück. Es folgten einige Besuche bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth, die Debussy anfangs schwer beeindruckten. Ein anderes, für Debussys musikalische Entwicklung bedeutsames Ereignis war die Weltausstellung in Paris im Jahre 1889. Hier hörte er javanische Gamelanmusik, deren Elemente in einige seiner Werke Eingang fanden.

Ab 1893 begann Debussy die Arbeit an seiner einzigen vollendeten Oper "Pelléas et Melisande", die 1902 uraufgeführt wurde. Weitere wichtige Werke aus dieser Zeit sind das "Prélude à l´après-midi d´un Faune" und die "Nocturnes" für Orchester. In diese Zeit fielen auch verschiedene seelische Krisen, ständige finanzielle Sorgen und Beziehungs-Irrungen und Wirrungen, die vorläufig mit der Heirat mit Lily Texier 1899 endeten. Debussy begann, unter dem Pseudonym Monsieur Croche eine Reihe von kritischen Artikeln zu publizieren und startete ab 1903 eine musikschriftstellerische Tätigkeit.

Zwischen 1903 und 1910 schrieb Debussy einige seiner wichtigsten und populärsten Werke, wie "La Mer" für Orchester, und "Estampes", "Images", "Childrens Corner" sowie den ersten Band der "Préludes" für Klavier. 1908 heiratete er Emma Bardac, mit der er schon seit 1905 eine gemeinsame Tochter mit dem Namen Chouchou hatte. In den folgenden Jahren folgten einige Konzertreisen, unter anderem nach England, Italien und Holland. Die "Préludes Band II", "Images" für Orchester und das Ballett "Jeux" sind Werke aus dieser Zeit. Ab 1915 begann sich ein Krebsleiden bemerkbar zu machen, das Debussy immer mehr schwächte. Er starb am 26. März 1918 in Paris.
Quelle: Jochen Scheytt

 

 

Die Solistin: Samira Memarzadeh                                      Claude Debussy

 

Danses sacrée et profane
Die "Danses für chromatische Harfe und Streichorchester" waren eine Auftragskomposition des Hauses Pleyel, einer großen und angesehenen Klavier- und Harfenbaufirma in Paris. Der Hintergrund für den Auftrag waren neue Entwicklungen im Harfenbau. Pleyel stand hierbei in Konkurrenz mit der Firma Erard, die beide versuchten, mit neuen Techniken das chromatische Spiel auf der seit jeher diatonisch gebauten Harfe zu verbessern.- Doppelpedalharfe und chromatische Harfe.

Beim Versuch, das jeweilige Modell auf dem Markt zu etablieren, entwickelte sich eine Konkurrenzkampf, der auch über die Medien geführt wurde, und bei dem die beiden Firmen namhafte Komponisten einspannten. So bekam Debussy von der Firma Pleyel 1904 den Auftrag für die "Deux Danses", wohingegen Erard ein Jahr später Maurice Ravel gewinnen konnte, der 1905 die "Introduction et Allegro für Harfe, begleitet von Streichquartett, Flöte und Klarinette" vorstellte.

Der Konkurrenzkampf war dann doch recht schnell entschieden. Die chromatische Harfe konnte sich trotz der Schützenhilfe Debussys nicht durchsetzen und verschwand vom Markt. Sie wurde noch bis 1930 gebaut (1), und im Pariser Konservatorium konnte bis 1933 chromatische Harfe studiert werden. Auch in Brüssel wurde eine Klasse für chromatische Harfe eingerichtet, die bis 1953, und dann wieder von 1973 bis 2005 bestand. (2)

Die beiden Danses gehören heute zum festen Repertoire und werden, obwohl sie extra für chromatische Harfe geschrieben wurden, auf modernen Doppelpedalharfen aufgeführt. Die Uraufführung fand am 6. November 1904 in den Concerts Colonne statt.
Debussy schrieb zwei Tänze: den "Danse sacrée", den geistlichen Tanz, und den "Danse profane", den weltlichen Tanz. Dabei geht der "Danse sacrée" direkt, also ohne Pause, in den "Danse profane" über. Letzterer steht im 3/4-Takt und besitzt einen sehr tänzerischen Charakter, wohingegen der "Danse sacrée" durch den langsamen 3/2-Takt eher an einen altertümlichen Schreittanz erinnert. Beide Tänze sind ungefähr fünf Minuten lang. Obwohl sie 1904, also in Debussys mittlerer Schaffensperiode, parallel zu wichtigen Werken wie "La Mer" entstanden, haben sie eine vergleichsweise einfache Tonsprache und eingängige melodisch-harmonische Gestaltung.

Danse sacrée
Der erste der beiden Danses beginnt mit einer für Debussy typischen einstimmigen Melodielinie der Streicher, die laut Anweisung "doux et expressiv", also weich und ausdrucksvoll gespielt werden soll.
Wie bei so vielen seiner Werke lässt Debussy bei diesem Anfang das Metrum im Unklaren. Die Melodie schwebt ohne Betonungen dahin, um auf einem langen Ton stehen zu bleiben. Erst da wird durch pizzicati in den Violinen, Celli und Kontrabässen ein hörbares Metrum installiert. Die Melodie ist aus pentatonischem Material gebaut; ein alte Skala, die Debussy gern verwendet, wenn er auf die Tradition der Kirche verweisen will.
Der gleich anschliessende profane Tanz ist zart und beschwingt.
 

Petite Suite
Die vier Sätze sind:
1. En Bateau (Im Boot). Andantino
2. Cortège (Aufzugsmarsch). Moderato.
3. Menuet. Moderato
4. Ballet. Allegro giusto

Claude Debussy hat drei Originalwerke für Klavier zu vier Händen geschrieben, die heute in ihren späteren Orchesterübertragungen bekannter sind als in ihren Originalversionen. Dies gilt auch für die Petite Suite, die in der Klavierfassung bereits 1889 erschien und 1907 von ihm orchestriert wurde. Die Suite scheint die Freizeitvergnügen des Pariser Lebens widerzuspiegeln, wie sie die Impressionisten in ihren Bildern festhielten. Seit der Erfindung der Eisenbahn gehörte der sommerliche Ausflug in die Seine-Vorstädte Asnières und Bougival zum festen Freizeitprogramm der Pariser. Rudern und Badesport, Trinken und Tanzen füllten die Wochenenden aus und erlaubten den streßgeplagten Städtern, sich in eine heile, naturverbundene Welt zurückzuversetzen. Da die Wälder dieser Gegend “voll von historischer Erinnerung” an die große Zeit des Versailler Hofes waren, faßten die Zeitgenossen ihren Badeurlaub als Reinkarnation der fêtes galantes des Rokoko auf.
Aus diesem Zusammenhang erklärt sich vielleicht das Programm von Debussys Suite. Sie beginnt En bateau, im Boot, über dem sanften, an Monet erinnernden Wellenschlag des Flusses. Cortège (Gefolge) und Menuet lenken den Blick in die Vergangenheit der galanten Hoffeste, während man mit dem Ballet zur Gegenwart und ihren Walzern zurückkehrt.
Quelle: Kammermusikführer
 

Maurice Ravel  (1875-1937)

»Ich habe nur ein einziges Meisterwerk komponiert – den Boléro. Leider völlig ohne Musik.« Maurice Ravel

Den ersten Klavierunterricht erhielt Ravel mit sieben Jahren. Die Idee, eine Laufbahn als Musiker anzustreben, kam früh und wurde von den Eltern unterstützt. Mit 13 erhielt er an einer privaten Musikschule Klavierunterricht und Unterweisung in Harmonielehre. Sein Lehrer Émile Descombes war Schüler bei Frédéric Chopin gewesen. 1888 lernte Ravel den Mitschüler Ricardo Viñes kennen, ein junges Pianistentalent aus Spanien. Zwischen beiden entwickelte sich eine tiefe Jugendfreundschaft, die ein Leben lang halten sollte. Am 4. November 1889 traten Ravel und Viñes zur Aufnahmeprüfung beim Pariser Konservatorium an.
Lange Zeit spielte Ravel mit dem Gedanken, eine Pianistenlaufbahn einzuschlagen. Aber die Voraussetzungen dafür waren bei ihm nicht optimal ausgeprägt. Ravel war der sprichwörtliche „faule Hund“. Seine Lehrer nahmen es ihm übel; das schien seine Haltung nur noch weiter zu verstärken.
1893, 1894 und 1895 versagte er in den obligatorischen Zwischenprüfungen und musste die Meisterklasse wieder verlassen. Im Januar 1897 kehrte Ravel an das Konservatorium zurück und trat in die Kompositionsklasse von Gabriel Fauré ein. Fauré war es auch, der Ravel Zutritt zu den mondänen Salons des damaligen Paris ermöglichte. Auf die Frage, welcher Schule oder Strömung er angehöre, pflegte Ravel zu antworten: „Überhaupt keiner, ich bin Anarchist".
Zu den größten Enttäuschungen Ravels zählt die Tatsache, dass er sich fünf Mal um den Prix de Rome bewarb, doch immer scheiterte. Der Prix de Rome war damals die höchste Auszeichnung für junge französische Komponisten.
Seine letzte Teilnahme vor Erreichen des Bewerbungshöchstalters ging Ravel 1905 an. Obwohl er als Favorit für den Preis galt, katapultierten ihn zahlreiche Verstöße gegen Satz- und Kompositionsregeln schon in der Vorrunde aus dem Wettbewerb. Das führte zu einem Skandal über den Konservatoriums- und Wettbewerbbetrieb. Der Schriftsteller und Musikkritiker Romain Rolland schrieb am 26. Mai 1905 an den Direktor der Académie des Beaux-Arts, Paul Léon: "… Ravel bewirbt sich um den Rompreis nicht als Schüler, sondern als ein Komponist, der sein Können bereits unter Beweis gestellt hat. Ich bewundere die Komponisten, die es gewagt haben, über ihn zu urteilen. Wer wird nun über sie urteilen?“ - Tatsächlich fanden viele seiner Werke eine höchst kontroverse Aufnahme.
Gemessen an der Zahl der fertiggestellten Arbeiten waren die Jahre von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg seine produktivste Zeit, überwiegend Klavierstücke und Lieder. Sein erstes Orchesterwerk, die Ouvertüre Shéhérazade, komponierte er 1898 und schrieb sie 1903 zu einem Liederzyklus um, aus dem in unserem Konzert 2 Stücke zu hören sind. 1913 lernte Ravel Strawinski kennen, mit dem er bei einer Bearbeitung von Mussorgskis unvollendeter Oper Chowanschtschina zusammenarbeitete.

Ravel gehört zu den Komponisten des 20. Jahrhunderts, die weniger als Zerstörer, denn als Erneuerer traditioneller Formen und Techniken wirkten. Sein großes Vorbild war Mozart, aber ebenso bewunderte er auch Schubert, Mendelssohn, Rimski-Korsakow, Strawinsky, Schönberg und die französischen Komponisten von Bizet und Gounod bis hin zu Debussy und Satie. Ravel nutzte die Musik der verschiedenen Epochen und Länder als Inspirationsquelle für seine eigene zwischen Klangsinnlichkeit und Kalkulation, Tonalität und Atonalität, raffinierter Harmonik und einprägsamer Rhythmik changierende Tonsprache. Dabei suchte er nicht nach einer subjektiven, emotional geprägten Aussage. Seine Musik sollte vielmehr gemäß der Forderung "l´art pour l´art" sich selbst genügen. Davon zeugen seine Orchesterwerke wie der "Bolero", "La valse" oder "Daphnis et Chloé".
Obwohl er selbst pianistisch nicht erfolgreich war hat ihn das Klavier stark fasziniert, dass er zahlreiche Kompositionen für dieses Instrument schrieb.
"Ravels Kunst strebte weder nach Leidenschaft noch nach Wahrheit, sondern wohl eher nach der ´Betrachtung des Schönen´, und zwar durch die Befriedigung des Geistes mittels der Freude des Hörens" (Arbie Orenstein).
1916 erkrankte Ravel an Ruhr und trat in der Folge einen Genesungsurlaub in Paris an. Während diesem starb Ravels Mutter, ein für Ravel unersetzlicher Verlust. Er hatte bis dahin immer mit ihr unter einem Dach zusammengelebt. Aber auch ihr Tod konnte ihn nicht dazu bewegen, ein eigenes Domizil aufzuschlagen. Stattdessen zog er nach dem Krieg mit seinem Bruder Edouard zusammen. Als dieser aber 1920 überraschend heiratete, war das Zusammenleben mit ihm auch nicht mehr möglich. 1921 kaufte Ravel schließlich in Montfort-l’Amaury die Villa „Le Belvédère“, in der er bis zu seinem Tod lebte. Ravel blieb sein Leben lang unverheiratet und kinderlos.
Trotz  zahlreicher Krankheiten und Unfälle, die seine letzten Jahre prägten, unternahm er noch Konzertreisen in Europa, den USA und Kanada. Auch blieb Ravel trotz vermuteter Demenz bis zuletzt bei klarem Verstand und beobachtete seinen Verfall, als stecke ein Fremder in ihm. Verzweifelt äußerte er: „Ich habe noch so viel Musik im Kopf. Ich habe noch nichts gesagt. Ich habe noch alles zu sagen.“
1937 starb Ravel nach einer Hirnoperation.
 

Der Liederzyklus Shéhérazade
Es sollte eine Hommage an Rimsky-Korsakow und dessen symphonische Dichtung "Scheherazade" sein. Aus einer von "Tausendundeiner Nacht" inspirierten Gedichtsammlung des Schriftstellers Tristan Klingsor (ein Freund aus der Künstlergruppe "Les Apaches") fasst Maurice Ravel drei Texte zu einem Zyklus von Orchesterliedern zusammen. Mit diesen "Shéhérazade"-Liedern kann der Komponist seinen ersten großen Erfolg verbuchen.

Shéhérazade, die Erzählerin aus "Tausendundeiner Nacht" berichtet aus fernen Ländern. Geschichten aus Persien, aus Syrien, aus Indien, aus China. Maurice Ravel, der ohnehin ein Faible für den Orient hat, vertont drei solcher Geschichten. Bereits einige Jahre vor diesem 1903 uraufgeführten Liederzyklus sollte Shéhérazade sogar die Titelfigur in einer Oper werden. Das Werk wird allerdings nicht realisiert. Alles in 'Shéhérazade' ist sehr orientalisch. Man riecht förmlich die Gerüche Asiens. Man meint tatsächlich die exotisch gekleideten Mandarine zu sehen. Das ist sehr bildlich. Auch wenn es nur drei Lieder sind, betritt man hier doch sehr schnell eine andere Welt. Einen Orient voller Bilder und Düfte.

Als großer Bewunderer von Debussy und dessen Oper "Pelléas et Mélisande" lässt Ravel auch in "Shéhérazade" Sprache und Klang zu einer Einheit verschmelzen. Tristan Klingsor soll ihm seine Gedichte immer und immer wieder laut vorgelesen haben, damit der Komponist die Melodie und den Rhythmus der Sprache verinnerlichen konnte, um sie dann so wie sein großes Vorbild Debussy zu vertonen. Als besondere Herausforderung wählte Ravel sogar sprachlich extrem komplizierte Texte aus Klingsors Sammlung aus - Texte mit großem Interpretationsspielraum für Sängerin und Zuhörer.
Quelle: br-klassik

Ma Mère l'Oye (Mutter Gans)
Ursprünglich war es ein vierhändiges Klavierwerk, das Maurice Ravel für den Sohn und die Tochter von Freunden komponiert hatte - inspiriert von Charles Perraults Märchensammlung "Meine Mutter, die Gans". Als es soweit war, trauten sich die beiden Kinder die Uraufführung jedoch nicht zu. Ganz so einfach und klein war "Ma mère l’oye" dann doch nicht. Aus dem Klavierstück wurde später ein Orchesterwerk (1911) und später ein Ballet.
Ravel taucht seine Märchen in eine bizarre Klangwelt von fast überirdischer Schönheit. Mit vielen leeren Intervallen, mit Quarten, Quinten und Oktaven also, und modalen Melodien, die fast mittelalterlich anmuten, evoziert er das Gefühl von Zeitlosigkeit.
Impressionistisches Klanggemälde und detailverliebte Märchenerzählung - "Ma mère l'oye" ist beides. Und immer steckt in Ravel eine Kinderseele, bestätigt der Dirigent Yannick Nézet-Séguin.

Im Konzert spielen wir die Stücke
1- Dornröschen
2- Däumling mit seinen Brüdern
4- Die Schöne und das Tier
5- Der Feengarten

Für jedes der Märchen entwirft Ravel eine eigene Klangwelt. Die "Belle au bois dormant", also Dornröschen schläft hinter ihrer Dornenhecke zu einer träumerischen Pavane, die ferne Zeiten heraufbeschwört. "Petit Poucet", der kleine Däumling, läuft durch die Natur. Der Satz, der am meisten Märchen ist in einem erzählenden Stil, ist der vierte: das Gespräch zwischen der Schönen und dem Biest. Die Geschichte ist ganz klar: die Klarinette steht für die Schöne, das Kontrafagott für das Biest. Und dann kommt diese berühmte Verwandlung des Biests in einen Prinzen mit diesem großen Harfenglissando und mit dem Violinsolo, welches dasselbe Thema von vorher aufnimmt, nun aber in seiner ganzen prinzenhaften Schönheit."

 

Camille Saint-Saëns (1835-1921)
Bereits im zarten Kindesalter brillierte Saint-Saëns als Pianist und versuchte sich, gerade einmal dreizehnjährig, in der Komposition einer Sinfonie. Nach anfänglichem Orgelunterricht am Pariser Konservatorium studierte er Komposition bei Fromental Halévy. Über zwei Jahrzehnte lang bekleidete Saint-Saëns anschließend das Amt des Organisten an diversen Pariser Kirchen. Darüber hinaus war er 1871 Gründungsmitglied der „Société Nationale de Musique“; einer Vereinigung, die sich explizit der Förderung neuer französischer Kammermusik sowie junger talentierter Komponisten wie Henri Duparc oder Vincent d’Indy verschrieben hatte.

„Niemand kennt die Musik der ganzen Welt besser als Monsieur Saint-Saëns.“ Dieses Zitat Claude Debussys über Camille Saint-Saëns verdeutlicht nur allzu gut die große Wertschätzung, die der Franzose bereits zeitlebens genoss. Selbst neben der Musik gab es wohl kaum eine Disziplin, der Saint-Saëns ablehnend gegenüberstand. Trotz der faszinierenden Vielfalt künstlerischer sowie wissenschaftlicher Interesse stand die Musik Zeit seines Lebens im Mittelpunkt seines kreativen Schaffens.
In Anbetracht des monströsen musikalischen Œuvre, das sowohl hinsichtlich Ausmaß als auch Bedeutung in Frankreich seinesgleichen sucht, hat sich eine erstaunlich geringe Anzahl seiner Werke nachhaltig im Konzertrepertoire durchsetzen können. Erst seit den letzten Jahrzehnten wird dem Grandseigneur des französischen Klassizismus, dessen musikalisches Vokabular über seine gesamte Schaffensperiode von mehr als einem dreiviertel Jahrhundert nahezu konstant blieb, die angemessene Resonanz zuteil.

 

 

Morceau de concert Op.154
Strahlend stolz setzt die Harfe im ersten Satz solistisch ein. Spitze, rezitativhafte Einwürfe des Orchesters vermögen ihren Schwung nicht zu bremsen. Nach einigen rasanten Glissandi der Harfe entspannt sich ein freudig erregter Dialog zwischen Soloinstrument und dezent begleitenden Orchesterstimmen. Tempo und Bewegung nehmen urplötzlich zu. Eine Kadenz der Solo-Harfe bringt darauf Beruhigung. Der erste Freudentaumel legt sich. Doch die Harfe gönnt sich nur kurz Ruhe. Sogleich stimmt sie eine schlichte Melodie an, einem Volkslied gleich. Nacheinander steigen die Holzbläser mit ein. Wie von einem Hirten auf dem Felde vorgetragen, erschallt die volksliedhafte Melodie in der Oboe, wenig später umrahmt vom Fagott. Monotone Horntöne mahnen zur Geduld. Satte Harfenakkorde leiten zum Abschluss des Allegro non troppo in eine träumerische, beinahe märchenhafte Phrase über. Untermalt von BläserStaccato-Klängen und Geigen-Pizzicati verströmt ein Harfensolo im zweiten Satz tänzerische Stimmung. Flöte, Fagott und Oboe möchten auch gerne etwas dazu beitragen, doch schon werden sie durch wasserfallartige Läufe der Harfe weggewischt. Als nächste versucht sich die Klarinette, die Oboe pflichtet ihr schnell bei. Hin und wieder fühlt man sich an den Schlusssatz aus Mendelssohns 4. Sinfonie erinnert. Ein zartes Streichermotiv wagt sich hervor, bevor die restlichen Orchesterimmen zu einer massiven Steigerung ansetzen, die unmittelbar in den letzten Satz mündet. Im prächtigen Anfangsthema des ersten Satzes, vom Orchestertutti vorgetragen, entlädt sich sodann die angestaute Spannung. Ihr Hauptthema lässt sich die Harfe natürlich nur ungern nehmen und so beweist sie in mal dunkel schimmernden mal hell glitzernden Farben ihre Virtuosität.
Quelle:Jugendsinfonieorchester Ahrensburg